Die körperlichen Folgen der Abhängigkeit
Alkohol ist für den menschlichen Körper ein Schadstoff. In Deutschland sterben jährlich mindestens 40.000 Menschen an den durch Alkoholmißbrauch verursachten gesundheitlichen Schäden.

Wenn Alkohol in den Körper gelangt, erreicht er fast jede Zelle. Fettgewebe und Knochen sind von ihm am wenigsten betroffen, das Gehirn mit seiner starken Durchblutung am allerstärksten.

Die Schädigung der Organe erfolgt auf 4 verschiedene Weisen:

Erstens:
Ist Alkohol selbst ein Zellgift und wirkt als Stressor auf den gesamten Organismus: Der Blutdruck steigt, Cortison, Fett und Zucker werden vermehrt in den Blutkreislauf gebracht.

Zweitens:
Wird für seine Beseitigung aus dem Körper Energie verbraucht, die den Organen für ihre eigentliche Tätigkeit fehlt. Durch die Verbrennung des Alkohols in der Leber können bis zu 80% des verfügbaren Sauerstoffs beansprucht werden, so daß Alkohol wie ein "Stoffwechselparasit" wirkt. Die Zellen des Herzens und der Hirnrinde haben den höchsten Sauerstoffverbrauch, so daß sie besonders darunter leiden.

Drittens:
Bringt Alkoholmißbrauch eine Fehlernährung des Körpers mit sich, so daß häufig Eiweißbausteine, Mineralstoffe und wichtige Vitamine in der Nahrung fehlen. Die Fehlernährung hat ihren Grund außerdem in einer zunehmenden Unfähigkeit des Dünndarms, wichige Stoffe aufzunehmen (Vit.B1, Folsäure, später auch Natrium und Wasser)

Viertens:
Schädigen hochgiftige Stoffe, die beim Abbau des Alkohols in der Leber entstehen (z.b. Acetaldehyd) die Nervenzellen und sonstiges Körpergewebe.

Hier werden nun die wichtigsten und gravierendsten Schädigungen aufgezählt.


Leber:
Das Organ, was immer durch Alkoholmißbrauch zumindest geringfügig geschädigt wird, ist die Leber. Die Schäden reichen von der Leberschwellung und der Fettleber, die wieder ausheilen können, bis hin zur Leberzirrhose. Diese Schrumpfung kann zwar durch Abstinenz zum Stillstand gebracht, nicht aber wieder rückgängig gemacht werden. Nur 15% aller Alkoholkranken entwickeln diese schwerwiegende Schädigung.Ihre Folgen sind u.a. Krampfadern in der Speiseröhre, die zu starken, lebensgefährlichen Blutungen neigen, und die Bauchwassersucht. Da die Leber selbst nicht schmerzt, werden die Erkrankungen oft erst spät und manchmal nur zufällig bei Blutuntersuchungen festgestellt. Anfangs merkt man höchstens ein Völlegefühl, häufiges Aufstoßen, Druck unter dem Rippenbogen oder Blähungen, später Appetitlosigkeit, rasche Ermüdbarkeit, gelegentlich Potenzstörungen oder Lustlosigkeit sowie Übelkeit und Erbrechen. Bei fortschreitender Schädigung der Leber kann es zu Störungen der Blutgerinnung und der Immunabwehr kommen. Häufiger treten nun blaue Flecken auf, gegen Infektionen wird der Alkoholiker zunehmend schutzlos.


Zentrales Nervensystem:
Das andere Organ, was bei jedem Alkoholmißbrauch in Mitleidenschaft gezogen wird, ist das Zentralnervensystem. Es besteht aus dem Gehirn und dem Rückenmark mit einem Netz von rund 100 Milliarden Nervenzellen. Bei jedem starken Trinken werden etliche Tausend Gehirnzellen beschädigt und sterben ab. Dieser Schwund macht sich erst nach einiger Zeit bemerkbar, da der Mensch ja über viele Milliarden Gehirnzellen verfügt. Daraus resultieren kann das:


Organische Psychosyndrom:
Dieses Krankheitsbild verläuft schleichend, die Hirnleistung wird geringer, die Merk- und Gedächtnisfähigkeit sowie die Auffassungsgabe nimmt ab. Die Wesensveränderung wird vor allem durch die Abstumpfung der Gefühle, durch häufige Verstimmungszustände und ein plötzliches Umschlagen von Gefühlen deutlich. Die Körperbewegungen werden unbeholfen und steif. Der Gesichtsausdruck zeigt wenig Bewegung.Auch Krampfanfälle und das Delirium tremens zeugt von einer massiven Gehirnschädigung.


Bauchspeicheldrüse:
Wenn die Bauchspeicheldrüse Schaden nimmt, ist das recht schmerzhaft. Diese Erkrankung führt deshalb bald zu ärztlicher Behandlung und zu ersten erzwungenen Trinkpausen. Im weiteren kann es zur Zuckerkrankheit kommen. 75% aller Bauchspeicheldrüsenentzündungen (Pankreatitis) sind auf Alkoholmißbrauch zurückzuführen.Diese Erkrankung kann tödlich enden.


Verdauungsapparat:

Der gesamte Verdauungsapparat- vom Mund über die Speiseröhre, der Magen bis hin zum Darm- wird deutlich geschädigt. Der Alkoholmißbrauch führt zu einen 10 mal höherem Risiko, an Speiseröhrenkrebs zu erkranken und auch andere Krebsarten treten bei Personen mit Akoholmißbrauch häufiger auf als sonst. Dazu gehören Mundhöhle, Rachen und Kehlkopf, Enddarm und bei Frauen die Brustdrüse.


Magen- und Zwölffingerdarmentzündungen:
Diese Entzündungen sowie Risse in der unteren Speiseröhre können schwere Blutungen mit sich bringen. Alkoholkonsum verändert die Magen und Darmflora und begünstigt das Auftreten der Bakterien, die verantwortlich sind für die Magengeschwüre.


Dünndarm:
Die zunehmende Unfähigkeit des Dünndarms, viele lebenswichtige Stoffe aufzunehmen, ist auch für Störungen im Gehirn und in den Nerven verantwortlich. Die bei Alkoholikern beobachteten niedrigen Calcium-, Phosphat- und Vitamin D Konzentrationen sind langfristig mit einem erheblichen Verlust von Knochenmasse und -dichte verbunden und führen damit zu erhöhter Bruchgefährdung.


Nerven der Gliedmaßen:
Wenn diese geschädigt werden (Polyneuropathie) merkt dies der Kranke an Kribbeln, ziehenden, stechenden oder brennenden Schmerzen in den Füßen, Beinen oder Armen. Schließlich stellt sich Gangunsicherheit oder sogar vollständige Gehunfähigkeit ein.


Herzmuskel:
Ebenfalls schwer in Mitleidenschaft gezogen wird der Herzmuskel (Kardiomyopathie). An Herzerkrankungen sterben 4 mal mehr Alkoholiker als an Leberzirrhose.


Testosteron:
Beim Mann kann die Bildung des Sexualhormons Testosteron gestört sein, so daß Unfruchtbarkeit und Lustlosigkeit die Sexualität belasten und einschränken.


Alkoholembryopathie:
Bei Frauen gibt es eine andere schlimme Gefahr: Alkohol wird heute als eine der häufigstens Ursachen für die Schädigung am werdenden Leben angesehen. Besonders gefährdet ist das Ungeborene in den ersten 3 Schwangerschaftsmonaten. Ungefähr jede 3te Frau, die in dieser Zeit episodenhaft höhere Alkoholmengen zu sich nimmt, bringt ein Kind mit Mißbildungen zur Welt. Jährlich werden 2.200 solcher geschädigten Kinder geboren. Schädigungen können sein: Leichter bis schwerer Schwachsinn, Kleinwuchs, Schädelveränderungen und Mißbildungen.