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Hier soll eine Art Tagebuch
entstehen - ich weiß noch nicht ob ich viel hier schreiben
werde und in wie weit das ganze aktuell ist, aber wenn mir danach
ist, werde ich hier Eintragungen vornehmen. Ihr findet immer zu
oberst den neuesten Eintrag.
09.April.2004
Also ich gebe es langsam auf - ich denke
es wird mir immer ein Rätsel sein wie manche Männer
ticken...aber was soll´s...es gibt wohl schlimmeres als
das herausfinden zu wollen...irgendwann fehlt auch einfach die
Lust hier noch weiter zu hinterfragen oder zu verstehen...Frohe
Ostern allerseits!
05.April 2004
Ich weiß ja nicht wie es bei euch
ausschaut aber hier in Ostwestfalen schüttet es seit zwei
Tagen wie verrückt. Und wenn es mal ganz kurz aufhört
und ein paar Sonnenstrahlen herauskommen dann sollte man sich
nicht zu früh freuen, denn eine Minute später steht
man wieder im Regen. Ich weiß, der April...aber mich macht
dieses Wetter richtig krank. Am Tage muß man schon das Licht
anmachen weil man sonst in der Wohnung den Eindruck hat, das es
Abend ist - und die Kinder können auch nicht raus weil selbst
die besten Regenklamotten diese Sinnfluten nicht abhalten können.
An solchen Tagen denke ich das ich ganz bestimmt in einem falschen
Land geboren wurde und träume von meinem letzten Urlaub auf
Kuba. Ich hoffe das es auch hier bald Sommer wird und sich das
dann positiv auf mein Gemüt auswirkt ;o))
02.April 2004
Es scheint als würde ich hier anfangen, ein kleines Tagebuch
zu schreiben - hm...vielleicht mache ich das auch. Schon früher
hat mir schreiben ganz gut geholfen und vielleicht sollte ich
es regelmäßiger machen. Die letzten Tage waren einfach
irgendwie schlecht. Ich fühle mich lustlos und auch überhaupt
nicht gut drauf. Das schlimmste daran ist eigentlich, das es dafür
keinen wirklichen Grund gibt. Den Kindern geht es prima und sie
haben eine neu gewonne Freiheit entdeckt und beginnen sich abzunabeln.
Ich habe es erst nur sehr schwer eingestehen können das die
beiden langsam "groß" werden und natürlich
damit auch Ängste in mir aufkommen. Aber mittlerweile bin
ich sehr stolz auf sie und freue mich, das sie Absprachen einhalten
können und somit auch mehr Freiheiten genießen können.
Und trotzdem ist es einfach für mich zur Zeit ein Grau in
Grau. Ich wünsche mir das es bald wieder sonniger wird....
März 2004
Von meiner Stimmung geht es mir besser - ich fühle mich zwar
immer noch nicht wirklich gut, aber längst nicht mehr so
depressiv. Der Antrieb fehlt mir am meißten. Oft muß
ich mich für die normalsten und kleinsten Aufgaben immens
zusammenraffen und mich förmlich dazu zwingen. Die Nebenwirkungen
sind schlimm - ständige Mundtrockenheit, Gewichtszunahme
auf Grund des verlangsamten Stoffwechsels, Müdigkeit, manchmal
Schwindel und irgendwie eine Lustlosigkeit bestimmte Dinge in
Angriff zu nehmen. Bei meinem letzten Termin meinte meine Ärztin,
das es vielleicht auch noch mal sinnvoll wäre, eine erneute
ambulante Therapie anzusteuern. Diese sollte jedoch einen analytischen
Ansatz haben. Ich habe mir also die Liste der ganzen Therapeuten,
die von der Krankenkasse getragen werden, von dieser zuschicken
lassen. Nun liegt die Liste seit ca. 2 Wochen bei mir und ich
kann mich einfach nicht dazu durchringen, meine Erstgespräche
zu vereinbaren. Vielleicht brauche ich einfach noch etwas Zeit.
Januar 2004
In diesem Monat ging es schwer bergab - es fing schon um die Weihnachtszeit
an, aber irgendwie hatte ich immer wieder gehofft, das ich es
schaffe und mich wieder bekrabbel. Mitte Januar befand ich mich
dann auf dem Höhepunkt eines depressiven Schubes - mir blieb
nichts anderes übrig, als mich erneut in Behandlung zu begeben.
Meine Gedanken kreisten bereits wieder um den Tod und die Traurigkeit
nahm kein Ende.
Es war ein sehr depremierendes Gefühl wieder im Wartezimmer
meiner Psychiaterin zu sitzen. Es kamen Gefühle des Versagens
auf, der Schuldgefühle und der absoluten Hilflosigkeit. Ich
hatte gehofft hier nie wieder sitzen zu müssen und war maßlos
enttäuscht von mir selbst.
Nach einem längerem Gespräch mit meiner Ärztin
wurde klar, das kein Weg daran vorbei führt, wieder medikamentös
eingestellt zu werden. Wir entschieden uns für das Medikament,
was ich als letztes genommen hatte und mir auch gut geholfen hat.
Für mich war aber immer noch die Frage ungeklärt, warum
ich wieder in so ein depressives Loch gerutscht bin - und sie
meinte, das wir davon ausgehen müssen, das mein Gehirn nicht
richtig arbeitet. Der Serotoninstoffwechsel ist gestört und
mit Hilfe der Medikamente kann man das wohl in den Griff bekommen.
Voraussetzung sei jedoch, das ich die Tabletten nun mindestens
ein Jahr durchgängig nehme. So viel Zeit braucht das Gehirn
um dann evtl. die Aufgabe von allein bewältigen zu können.
Schweren Herzens - auch im Hinblick auf die sehr unangenehmen
Nebenwirkungen - habe ich mich dann dazu entschlossen es noch
einmal zu versuchen.
Mai 2003
In diesem Monat vor einem Jahr wurde ich aus der Klinik entlassen
und fing mein "neues" Leben an. Es war nicht immer einfach-
2 mal hatte ich das Gefühl, ich würde wieder fallen
und mich nicht mehr alleine aufrappeln können. Aber letztendlich
war es nicht an dem. Nach einer gewissen Zeit der Traurigkeit
wurde es wieder heller um mich herum und so habe ich auch gelernt,
mit der Angst umzugehen, es könnte mir ja wieder passieren.
Das war nämlich noch etwas, was man nicht "üben"
kann...die Angst vor einem erneuten "Schub"- und die
Konsequenz daraus.
Was mir sicherlich auch geholfen hat, war hier darüber zu
schreiben, mein Leben vielleicht so auch teilweise zu verarbeiten.
Es gab hier viele Reaktionen auf meine Geschichte- von Betroffenen
oder auch Angehörigen. Sehr viele Mails oder auch Gästebucheinträge
haben mich erreicht und mich berührt. Und das zeigt mir ebenfalls,
das ich den richtigen Weg eingeschlagen habe. Danke!
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